Osnabrück (ots) - Bundesumweltministerin fordert europaweites Verbot von Mikroplastik

Svenja Schulze: In Shampoo, Rasierschaum oder Haarspray auf Kunststoffteilchen verzichten

Osnabrück. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich für ein europaweites Verbot von Mikroplastik ausgesprochen. "Wir müssen diese Plastikflut in der Umwelt dringend eindämmen", sagte Schulze im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Forscher hatten zuletzt in der Arktis über 12 000 Mikroplastikteilchen pro Liter Meereis nachgewiesen. Die Kosmetikindustrie müsse auch national zum Ausstieg aus der Nutzung von Kunststoffteilchen als Schleifmitte bewegt werden, sagte Schulze. Bei Peelings und anderen Kosmetika sei das schon geschafft. Die Hersteller setzten jetzt Walnussmehl oder Mandelkleie statt Mikroplastik ein. "Mein Ziel ist, dass die Industrie im nächsten Schritt auch bei Shampoo, Rasierschaum oder Haarspray auf Mikroplastik verzichtet", sagte Schulze. Die Bundesumweltministerin bekräftigte ihre Absage an eine generelle Plastiksteuer, die Kunststoffe grundsätzlich um ein paar Cent teurer macht. "Das würde der Umwelt nichts bringen, weil es keine Lenkungswirkung entfaltet", sagte sie. Beim Abbau von Müll in den Meeren liege der zentrale Hebel in den Entwicklungs- und Schwellenländern. "Denen müssen wir helfen, bessere Sammel- und Recyclingsysteme aufzubauen", sagte Schulze. Aber auch Deutschland müsse besser werden. Es gehe darum, überflüssiges Plastik zu vermeiden und das, was wir nicht vermeiden können, noch effektiver zu recyceln. "Altes Plastik ist kein Müll, sondern ein Rohstoff, den man recyceln und nutzen kann - das tut auch unsere Wirtschaft bislang noch nicht genug", erklärte Schulze.

Bundesumweltministerin: Robbenjagd bleibt verboten

Schulze weist Forderung der Fischer zurück - Seehund-Bestand mit 38 000 Tieren auf Rekordniveau

Osnabrück. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat vor einer internationalen Konferenz zum Schutz des Wattenmeers Forderungen nach Wiederaufnahme der Robbenjagd zurückgewiesen. "Robben und damit auch Seehunde sind streng geschützte Arten. Sie gehören zum Ökosystem Wattenmeer, und wir sind froh, dass sich die Bestände erholt haben", sagte Schulze im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). " Der entscheidende Faktor für den schlechten Zustand vieler Fischbestände ist vor allem die Fischerei selbst", meinte die Ministerin. Sie wies darauf hin, dass sich durch den Schutz der Lebensräume in den Wattenmeer-Nationalparken der Robbenbestand nach dem verheerenden Virenbefall in den 90er-Jahren gut erholt habe. Etwa 38 000 Seehunde und 5500 Kegelrobben seien 2017 im gesamten Weltnaturerbe Wattenmeer gezählt worden. Das ist das höchste Niveau seit Beginn der Zählungen im Jahr 1975. Die SPD-Politikerin hat ferner bekräftigt, dass Windräder im Wattenmeer weiterhin verboten seien. Aktuell gebe es in Nord- und Ostsee rund 1000 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt umgerechnet rund fünf Atomkraftwerken. "Das wollen wir bis 2025 fast verdoppeln, um das Klima zu schützen. Aber dabei ist klar: Das Wattenmeer ist tabu für Windräder - und das soll auch so bleiben", erklärte sie. Es gebe genügend geeignete Flächen für Offshore-Windräder außerhalb der Schutzgebiete in Nord- und Ostsee. Derzeit lägen die Anlagen im Durchschnitt 70 Kilometer vom Festland entfernt. "Wir achten darauf, dass Windparks möglichst an solchen Orten und in solchen Jahreszeiten entstehen, wo sie Zugvögel oder Schweinswale möglichst wenig stören", betonte Schulze. In Leeuwarden werden an diesem Donnerstag Delegationen aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden zu einer Konferenz zusammenkommen und im 40. Jahr der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit unter anderem über die Themen Meeresmüll und Nitratbelastung beraten.



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